Datum: Uktar 20, 1360 DR

Als ich wieder Wach wurde, schleckte mir Nimri mit seiner ungewöhnlich langen Zunge durch mein Gesicht. Wie lange ich wohl ohne Bewusstsein war? Dem ganzen Fisch, wo auch immer Nimri ihn her hatte, der neben mir lag zu Urteilen, nicht nur ein paar Stunden. Ich rappelte mich wieder auf und verstaute den ganzen Fisch.
Ich schaute durch das Loch nach oben. Das war kein kurzer Sturz, ein Wunder, dass ich das überlebte. Die Blutflecken an der Stelle, an der ich landete, deuten darauf hin, dass ich den Sturz auch nicht ganz unbeschadet überstanden hatte. Ein kurzer Griff an meinen Hinterkopf brachte auch zügig die Stelle hervor, wo ich mich verletzte. Das erklärte die üblen Kopfschmerzen.
Nachdem ich Nimri auf meine Schulter nahm, ging ich den Gang weiter durch, welcher schon nach wenigen Metern in einem riesigen Gewölbe endete. Der Vorsprung, auf dem ich heraus kam, fühlte sich nicht sonderlich stabil an. Ich ging auf die Knie und schaute den Vorsprung hinunter. Die Figuren dort erschienen mir recht klein, entweder durch die Höhe, oder es sind diese widerlichen kleinen Minions. Bei dem Feuer, um das sie rum zu tanzen schienen, konnte ich allerdings erkennen, dass sich eine Person von den anderen stark zu unterscheiden schien. Ob das der Junge ist, nach dem ich suchen sollte?
Ich sammelte Nimri wieder auf, der es irgendwie schaffte, dass seine Zunge an einem Eiszapfen fest fror. «Du bist mir ja einer» meinte ich leise zu ihm und er antwortete mir mit dem scheinbar einzigen Blick, den er drauf hat – Er glotzte mich unwissend mit seinen riesigen Augen an.

Als wir unten ankamen, konnte ich sie genau sehen. Minions. Diese kleinen, feigen Widerlinge. Sie treten nur in Gruppen auf, denn einzeln sind sie zu Feige. Sie sind ständig aufgedreht, als sei das Kraut, dass sie rauchen, seit mehreren Jahrhunderten schlecht. Aber sie haben immer einen Anführer, dem sie nachlaufen, zumeist ein Nekromant. Doch diese Gruppe schien alleine zu handeln oder zumindest ist er nicht Sichtbar. Ich schlich näher heran, um einen genaueren Blick auf die Person zu werfen, die sich von den Minions unterschied und konnte erkennen, dass es sich dabei tatsächlich um das Kind handelte, welches ich suchen sollte. «Was soll ich jetzt machen?» fragte ich mich leise, während ich zu Nimri schaute, dessen starrender Blick noch immer vollkommen verrückt schien. Auch diesmal war er mir keine sonderlich große Hilfe. Aber was kann man auch von einem kleinen Tierchen erwarten?

Ich zog meinen Stab vom Rücken und lud ihn auf. «Holen wir uns das Kind» meinte ich zu Nimri, welcher wild nickte. Doch als ich gerade aus meinem Versteck auf die Minions los wollte, sah ich etwas größeres und ich versteckte mich wieder. Der Nekromant? Ich schaute leicht aus dem Versteck hervor und traute meinen Augen kaum. Ein Ghul. Ich hatte nur ein einziges mal einen Ghul gesehen und das war in Menzoberranzan. Zumeist werden sie als Auftragsmörder eingesetzt gegen Zielpersonen, die die Flucht zur Oberfläche ergreifen. Sie werden als sehr intelligent, aggressiv, stark und vor allem rücksichtslos beschrieben. Ich schaute wieder aus meiner Deckung hervor und suchte nach dem Monster, doch ich fand es nicht. Stattdessen war dort nun eine junge Frau, schulterlange, schwarze Haare, in einem langen, schwarzen Mantel, die die Minions umher scheuchte. Verwundert suchte ich nach dem Ghul, konnte ihn aber nicht mehr finden. «Mit einem Mensch und ein paar Minions komme ich zurecht» flüsterte ich und stürmte aus meiner Deckung hervor. Die erste Welle Minions konnte ich mit einem gezielten «Su'aco», einem anständigen Windstoß, gegen die Wand schleudern. Als ich das Kind erreichte, schien auch der Mensch mitbekommen zu haben, was vor sich geht und kam auf mich zu gespurtet. «Lauf» forderte ich das Kind auf, nachdem ich ihm die Fesseln lösen konnte und bemerkte, dass aus der Frau, die auf mich zu kam, ein Ghul wurde. «Vith» fluchte ich und konnte gerade noch so mit «Faer ky'ostal» meine Rüstung verstärken, ehe mich das Vieh erwischte und nach hinten schleuderte. Als ich mich versuchte wieder auf zu richten, stand der Ghul schon mit einem Fuß auf mir und holte zum schlag aus. Doch ehe ich mich versah, krabbelte Nimri schon an dem Ghul hinauf und steckte ihm seine Zunge ins Auge. Nimri fiel zu Boden, während der Ghul nach hinten weg taumelte. Ich nutzte die Chance, richtete mich auf, griff nach Nimri und schleuderte dem Ghul eine Blitzkugel entgegen, was ihn offensichtlich nicht sonderlich beeindruckte und wieder auf mich zu stürmte. Mit einem «Ssuth» konnte ich gerade noch so ausweichen und hatte direkt das Kind im Blick welches versuchte, sich von einer Hord Minions zu befreien. So ließ ich vom Ghul ab und spurtete zum Kind. Nachdem ich ein paar dieser Viecher weg gekickt hatte, nahm ich das Kind bei der Hand und rannte mit ihm in einen Tunnel.

Nach einigen hundert Metern, war das Kind aus der Puste und ich musste es auf dem Rücken tragen. Zu unserem Glück schienen wir die Minions und diesen Ghul los geworden zu sein. Ob sie uns überhaupt folgten?

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